Die Nachfolge in einem Familienbetrieb gilt oft als Königsklasse der Unternehmensführung. Schließlich soll das Lebenswerk des Gründers fortgeführt und der Unternehmenserfolg in die nächste Generation getragen werden. Doch gerade bei der Übergabe vom Gründer an den Erben entstehen immer wieder Konflikte, die das Fortbestehen des Betriebs und den Familienfrieden gefährden können. Diese Übergabeprozesse sind von einer besonderen Dynamik geprägt, die weit über rein betriebswirtschaftliche Aspekte hinausgeht. Es handelt sich um einen doppelten Konflikt, der sich sowohl in der Unternehmensführung als auch in den persönlichen Familienbeziehungen manifestiert.
Die Hürde des Loslassens: Gründer im Übergang
Ein zentrales Problem liegt oft beim Gründer selbst. Nach Jahrzehnten des Aufbaus und der alleinigen Kontrolle fällt es schwer, das eigene Lebenswerk aus der Hand zu geben. Der Betrieb ist nicht nur eine Einnahmequelle, sondern oft Teil der eigenen Identität. Das Loslassen fällt besonders schwer, wenn die Nachfolge nicht wie erwartet verläuft. Dies führt dazu, dass Gründer weiterhin in operative Entscheidungen eingreifen, die Macht nicht wirklich abgeben und den Nachfolgern misstrauen.
Diese mangelnde Übergabe der Verantwortung erschwert es dem Erben, sich in der neuen Rolle zu etablieren. Um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, sind selbstständige Entscheidungen unerlässlich. Wenn der Gründer jedoch weiterhin die Fäden in der Hand hält und keine Alleingänge zulässt, ist der Nachfolger nicht in der Lage, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Dies führt nicht nur zu Frustration und mangelndem Respekt im Unternehmen, sondern auch zu einer Lähmung der Innovationskraft.
Mangelndes Interesse und fehlende Leidenschaft der Erben
Doch auch die Nachfolger stehen vor großen Herausforderungen. Nicht jeder Erbe hat zwangsläufig das Interesse oder die Leidenschaft, das Familienunternehmen fortzuführen. Vielleicht hat er sich beruflich in eine ganz andere Richtung entwickelt oder strebt eine Selbstverwirklichung außerhalb der elterlichen Fußstapfen an. Ein erzwungener Übergang, der aus einem Pflichtgefühl heraus geschieht, birgt ein hohes Konfliktpotenzial.
Ohne die nötige Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen ist es für den Erben fast unmöglich, die notwendige Führungsstärke und den Antrieb zu entwickeln, um den Betrieb zukunftsfähig zu machen. Dies führt zu einer weiteren Ebene des Konflikts: Der Gründer spürt das fehlende Engagement und ist enttäuscht, während der Erbe unter dem Druck steht, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können.
Die Überschneidung von Familie und Geschäft
Der eigentliche Kern des Problems liegt in der doppelten Konfliktebene. Normalerweise können geschäftliche Auseinandersetzungen professionell gelöst werden. Wenn jedoch die Konfliktparteien gleichzeitig Vater und Sohn oder Mutter und Tochter sind, verlagert sich der Streit von der geschäftlichen Ebene auf die familiäre. Eine Meinungsverschiedenheit über eine Investition kann schnell zu einem Streit über Respekt, Vertrauen und familiäre Wertschätzung werden.
Diese Vermischung macht es extrem schwierig, klare Lösungen zu finden. Ein harter geschäftlicher Schnitt kann als persönlicher Verrat wahrgenommen werden, während familiäre Rücksichtnahme die notwendige unternehmerische Entscheidung behindert. Diese Komplexität führt nicht selten dazu, dass nicht nur das Unternehmen leidet, sondern auch die Familie zerbricht. Ein erfolgreicher Übergang erfordert daher nicht nur eine klare wirtschaftliche und rechtliche Planung, sondern auch eine offene Kommunikation und die Fähigkeit, die familiären Beziehungen von den geschäftlichen zu trennen.
Letztlich ist eine gelungene Nachfolge nur möglich, wenn Gründer und Erben frühzeitig und ehrlich über ihre Erwartungen, Ängste und Wünsche sprechen. Nur so kann eine Basis geschaffen werden, auf der das Unternehmen in die Zukunft geführt wird – und die Familie intakt bleibt.

Der Blick aus der Praxis
Ein Gespräch über die Unternehmensnachfolge mit Devin Sordon von der Firma „GSS Grundstück-Service Sordon“ mit Sitz in Bärenbach bei Kirn.
W&W: Devin Sordon, du hast das Unternehmen vor fünf Jahren von deinem Vater Dennis übernommen. Dein Wunsch, die Firma zu übernehmen bestand seit Kindheitstagen. Wie hast du den Sprung in die Verantwortung vor 5 Jahren erlebt?
Devin Sordon: Das war im sprichwörtlichen Sinne der Sprung ins kalte Wasser, zumindest was das komplett selbstständige Agieren angeht. Ich war zwar zuvor schon immer eng mit der Firma verbunden und kannte alle Abläufe in der Theorie, da ich ab meinem 17. Lebensjahr von meinen Eltern immer mehr in das Unternehmen eingeführt wurde. Doch die endgültige Übernahme war neu. Fehler gehörten am Anfang natürlich dazu, diese hielten sich aber in Grenzen. Heute treffe ich alle Entscheidungen alleine, aber ich hole mir immer eine zweite Meinung ein und habe bei allen Überlegungen im Hinterkopf, ob es mein Vater auch so machen würde. Ich führe die Firma auf meine Art, aber im Sinne meines Vaters und auch meiner Mutter. Beide sind auch weiterhin im Unternehmen tätig.
W&W: Das Tagesgeschäft bringt neben strategischen Entscheidungen auch organisatorische Veränderungen mit sich. Wie sieht die Arbeit im administrativen Bereich aus?
Devin Sordon: Alles, was Rechnungen und Angebote angeht, habe ich etwas umgestellt bzw. an mich angepasst. Ich habe mich dazu neu mit meiner Mutter abgestimmt. Sie führt sämtliche Büroarbeiten aus und kümmert sich unter anderem um das Rechnungswesen, die Buchhaltung, die Löhne und die finale Rechnungsstellung. Zudem war es zu Beginn eine herausfordernde Situation, dass zwei Onkel im Unternehmen arbeiten, aber auch das konnte ich erfolgreich meistern.

W&W: Dein Vater hat in den Anfangstagen des Unternehmens viele Opfer für den Betrieb gebracht, und die Zeit für die Kinder war in jungen Jahren knapp. Wie nimmst du diese Dynamik heute für dein eigenes Leben wahr?
Devin Sordon: Ich habe selbst miterlebt, wie mein Vater für das Unternehmen zurückstecken musste und wie wenig Zeit er in unseren jungen Jahren für uns – mich und meine Schwester – hatte. Dafür war die Zeit, die wir miteinander verbrachten, umso intensiver. Nicht anders ist es heute bei mir: Auch bei mir ist die Zeit für meine Kinder und meine Frau durchaus knapp bemessen. Aber ab einem gewissen Alter hat sich das bei uns damals alles in eine positive Richtung entwickelt. Darum gehe ich auch stark davon aus, dass ich langfristig mehr Zeit für meine eigene Familie haben werde.
W&W: Familie und Geschäft unter einen Hut zu bringen, ist oft die größte Hürde. Wie handhabt ihr die Trennung zwischen Beruf und Privatleben?
Devin Sordon: Zu Hause am Essenstisch wird nicht über die Arbeit gesprochen. So habe ich es früher selbst erlebt und so läuft es heute auch bei mir. Für mich ist die Arbeit ab dem Moment vorbei, wo ich das Firmengelände verlasse. Meist mache ich auf der Heimfahrt das Radio aus und genieße einfach die Stille.
W&W: Wenn du auf die aktuellen Herausforderungen und die Zukunft blickst: Welche Themen beschäftigen dich heute am meisten?
Devin Sordon: Kunden wurden im Laufe der Jahre immer anspruchsvoller. Genau das bin ich aber gewohnt und ich weiß damit umzugehen. Auch die Suche nach neuen Mitarbeitern wird immer schwieriger. Unsere Firma hat jedoch sehr, sehr gute Leute, und ich tue viel dafür, dass diese auch bleiben.
W&W: Wenn du an die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens denkst: Strebst du weiteres Wachstum und eine Expansion an, oder wie sieht deine Vision für die kommenden Jahre aus?
Devin Sordon: Mein Ziel ist es nicht, die Firma mit aller Gewalt zu vergrößern. Ich möchte den aktuellen Stand halten und das Unternehmen stabil und erfolgreich weiterführen. Natürlich optimieren wir stetig alle Abläufe, nutzen mögliche Detailverbesserungen und passen uns technisch sowie organisatorisch an, aber das gesunde Fundament zu bewahren hat für mich oberste Priorität.
W&W: Vielen Dank für das Gespräch!
Kontakt
GSS Grundstück-Service Sordon
Auf der Höhe 46
55758 Bärenbach
Telefon: 06784 / 98 24 40
Telefax: 06784 / 98 32 84
E-Mail: info@gss-sordon.de
Internet: www.gss-sordon.de
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